Wertfrei, gefühlvoll, ganz im Moment: Was wir von Tieren lernen können.

Foto Wertfrei, gefühlvoll, ganz im Moment: Was wir von Tieren lernen können.

Der Mensch und seine Tiere. Das hat bereits lange Geschichte und Tradition. Ganz gleich, ob Haustiere, wie Pferde, Kühe oder Schafe, oder Heimtiere, wie Hund, Katze oder Kaninchen, Tiere sind ein fester Bestandteil vieler Leben. Wir gehen spazieren, kuscheln und füttern.

Wir bieten unseren Vierbeinern ein schönes Zuhause, umsorgen sie und beschäftigen uns mit ihnen. Manch einer übt auch Kunststücke, trainiert Tricks und erzieht seine Haustiere. Aber drehen wir das Blatt doch einmal um. Können wir nicht auch viel von Tieren lernen? Diese Frage steht im Fokus unseres aktuellen Blogs.

Das Leben im Hier und Jetzt.

Wir leben in schnellen Zeiten. Wir sind gestern hier, heute da und morgen dort. Wir grübeln über die Vergangenheit, planen die Zukunft und sind in Gedanken versunken. Kein Wunder, dass viele Menschen also dazu neigen zu wenig im Moment zu leben. Dabei ist das Hier und Jetzt entscheidend. Denn die Vergangenheit können wir reflektieren und aufarbeiten, aber nicht mehr ändern. Die Zukunft können wir gestalten und planen, aber ob die Pläne tatsächlich eintreten, wissen wir nicht genau. Es ist der Moment, den wir bewusst fühlen, leben und genießen sollten. Und genau das tun Tiere. Sie geben sich ganz dem Hier und Jetzt hin, freuen sich über den Augenblick und geben uns Anstoß, es ihnen gleichzutun. Sie fordern uns mit Spaziergängen, Streicheleinheiten und Pflege dazu auf, das Smartphone, den Terminkalender oder den Staubsauger auf die Seite zu legen und im Moment zu sein.

Wert- und Vorurteilsfrei.

Neben dem Leben im Augenblick können wir noch etwas von Hund, Katze und Co lernen, nämlich wert- und vorurteilsfrei zu sein. Viele Menschen urteilen schnell. Sie bewerten andere nach dem Äußeren, nach Oberflächlichkeiten und nach Momentaufnahmen. Dadurch werden andere rasch mit Stempeln versehen und in Schubladen gesteckt. Aber was wissen wir von unserem Gegenüber? Welches Urteil steht uns zu? Tiere verhalten sich diesbezüglich ganz anderes, um nicht zu sagen besser. Kein Tier beurteilt nach dem Äußeren, nach der Kleidung oder nach der Vergangenheit eines Menschen. Tiere nehmen Menschen so wie sie sind und gehen ausschließlich danach, wie sie von einem Menschen behandelt werden. Hier können wir uns eine Scheibe abschneiden, denn offen, wertfrei und ohne Vorteile auf andere zuzugehen, bereichert unser Leben und unsere sozialen Beziehungen maßgeblich. Welche Rolle spielt, wie viel jemand verdient, woher er kommt oder welche Fehler er begangen hat? Keine im Vergleich dazu, wie sich jemand uns gegenüber verhält. Das ist das Entscheidende und genau so verhalten sich Tiere.

Die kleinen Dinge schätzen.

Damit aber nicht genug. Nein, denn die Liste der Dinge, die wir von Tieren lernen können, ist noch viel länger. Das Schwanzwedeln beim morgendlichen Spaziergang, das Schnurren während des Streichelns oder das Nagen an einer süßen Karotte. Tiere leben uns vor, was für ein erfülltes Leben so wichtig ist. Nämlich Bescheidenheit und die Gabe, sich an kleinen Dingen zu erfreuen. Die Devise vieler Menschen „immer mehr, immer weiter, immer besser“ ist gefährlich, denn ein gewisses Maß an Realismus bestimmt nachweislich die Fähigkeit glücklich zu sein. Außerdem: Umso höher die Erwartungen, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Enttäuschung. Also machen wir es doch ein bisschen mehr wie die Vierbeiner und freuen wir uns über die kleinen Dinge im Leben, wie die Tasse Kaffee am Morgen, der Waldspaziergang mit unserem Hund oder die warmen Strahlen der Abendsonne.

Ein gefühlvoller Blick für das Wesentliche.

Viele Tierbesitzer*innen sagen: „Mein Hund schaut mich an und weiß, wie es mir geht“ oder „Meine Katze kam zu mir, als ich begann zu weinen“. Und es stimmt: Haustiere haben so viel Gefühl, sie nehmen Stimmungen wahr und geben uns mit ihrer bloßen Anwesenheit Halt. Sie schauen uns an und möchten uns sagen: „Es ist in Ordnung, ich bin bei dir.“ Und genau dieses Gefühl brauchen wir Menschen manchmal. Apropos Gefühle: Tiere wecken nachweislich auch Glücksgefühle im Menschen. Nicht umsonst sind Tiervideos auf sozialen Plattformen ein Dauerbrenner und die Anzahl der Haustiere steigt konstant. Ob online oder im Real Life, einer Katze beim Spielen, dem Hamster beim Nagen oder dem Hund beim Austoben zuzusehen, tut gut und macht glücklich.

Tiergestützte Beratung.

Nachdem wir viel lernen können von unseren Vierbeinern bewährt sich auch die tiergestützte Beratung, die in immer mehr Lebensbereiche einzieht. Das Streicheln oder nur die bloße Anwesenheit einer Katze etwa wirkt auf viele Menschen beruhigend, weshalb sie dann offener und ehrlicher über ihre Themen sprechen können. Auch der Spaziergang mit einem Hund kann für eine lockere Atmosphäre sorgen, bei dem Menschen ihre Bedürfnisse, Sorgen und Herausforderungen besser kommunizieren können. Tiere wecken unsere Aufmerksamkeit, wodurch der Fokus auf sie verlagert wird. Auch das kann im psychosozialen Beratungssetting helfen, um Druck und Nervosität abzubauen. Außerdem stärken Haustiere unseren Selbstwert und unser Selbstbewusstsein, weil wir uns um sie kümmern und im Umkehrschluss viel von ihnen zurückbekommen. Selbstwert ist ein häufiges Thema in der Beratung und Tiere können hier eine gute Unterstützung sein.

Eine klare Struktur.

Viele Menschen in der psychosozialen Beratung stehen an einem Punkt im Leben, an dem sie etwas verändern möchten. Veränderung bedeutet immer auch, dass wir alte Muster zurücklassen, neue Wege gehen und neue Strukturen aufbauen müssen. Auch hier hilft das Tier dem Menschen, indem es uns eine gewisse, sichere Struktur vorlebt und vorgibt. Der Hund muss jeden Tag seine Runden drehen und gefüttert werden. Er braucht Zuwendung, Pflege und eine Routine. Wenn Menschen neue Abläufe aufbauen möchten oder generell Schwierigkeiten mit der Tagesstruktur haben, sind Tiere tolle Begleiter. Aufgrund der großen Potenziale sind Tiere „als Coaches“ auch in viele früher undenkbare Bereiche eingezogen. In Krankenhäuser werden Tiere zur Beschäftigungstherapie eingesetzt, in betreuten Wohneinrichtungen um den Selbstwert der Menschen zu stärken und in Büros um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.

Tiere in Zeiten von COVID-19.

Die COVID-19 Pandemie hat die Anzahl der Heimtiere in Österreich weiter erhöht. Auf einmal hatten wir mehr Zeit, waren mehr zu Hause und mussten neue Wege finden unseren Alltag zu gestalten. Viele Menschen litten zudem unter fehlenden sozialen Kontakten, unter Einsamkeit sowie unter mangelnder Beschäftigung. Und so holte sich manch einer einen tierischen Mitbewohner zu sich nach Hause. In turbulenten Zeiten sind Tiere wundersame Begleiter. Sie fordern eine Tagesstruktur, unterstützen einen gesünderen Lebensstil und geben das Gefühl gebraucht zu werden. Bedenken wir, wie viel uns Tiere geben, ist es umso verwunderlicher, wie manche Menschen mit ihnen umgehen. Leider werden viele Hunde und Katzen, die während der Pandemie gekauft oder aufgenommen wurden, wieder im Tierheim abgegeben. Ein absolutes No-Go. Denn ganz gleich, ob zwischen Menschen oder zwischen Menschen und Tieren, jede Beziehung erfordert gegenseitige Fürsorge, Verantwortung und Beständigkeit. Wer sich dessen nicht bewusst ist oder sich unüberlegt ein Tier anschafft, ist kein geeigneter Tierbesitzer.

Tiere: Einfach gute Partner.

Tiere sind für viele Menschen nicht aus ihrem Leben wegzudenken. Sie lehren uns im Moment zu leben, frei von Vorurteilen auf andere zuzugehen, sich an Kleinigkeiten zu erfreuen und für jemand anderen da zu sein. Deswegen sind sie nicht nur wunderbare Wegbegleiter im Alltag, sondern auch in Beratung, Bildung und Beruf. Es gibt immer mehr Bürohunde, die für eine gute Stimmung und regelmäßige Pausen im Office sorgen, und auch tiergestützte Beratung und Pädagogik haben sich als effektive Methoden etabliert. Ja, wir können viel lernen von unseren vierbeinigen Wegbegleitern und das sollten wir auch. Richten wir immer wieder den Blick aufmerksam auf sie, lauschen wir ihnen und schauen wir uns von ihrem Verhalten etwas ab.

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