Warum wir Menschen ausbilden – und keine Tiere

Foto Warum wir Menschen ausbilden – und keine Tiere

Immer wieder erreichen uns als Berufsverband für tiergestützte psychologische Beratung Anfragen, welche Ausbildungen es an den von uns zertifizierten Instituten für Hunde oder Katzen gibt. Die Antwort: Keine.

Denn unsere Aufgabe ist es, auf die psychosoziale Ausbildung der Menschen zu achten. Nicht auf die der Tiere. Was das genau heißt, erklären wir in diesem Blog.

Es kann schon durchaus einmal verwirrend sein: Da ist von Therapiehunden die Rede oder auch von Therapiepferden und dann wiederum hört man von tiergestützten psychosozialen Angeboten wie Beratung oder Pädagogik mit Hunden, Katzen und Co. Wie kann es da also sein, dass die Tiere, die Teil der Arbeit als tiergestützt tätiger psychologischer Berater oder psychologische Beraterin sind, keine eigene Ausbildung benötigen?

Eignung der Tiere für Beratung wichtig

Die Antwort ist relativ einfach: Weil es in der tiergestützten psychologischen Beratung vor allem darum geht, dass die in diesem Bereich arbeitenden Berater*innen ideal ausgebildet sind. Selbstverständlich ist es dennoch wichtig, dass die eingesetzten Tiere eine gewisse Eignung für ihre Rolle als Co-Beratende haben. Das meint im Allgemeinen, dass es sich im Sinne des Tierschutzes bei den eingesetzten Tieren nicht um Hamster, Meerschweinchen oder andere Fluchttiere handeln darf, und im Speziellen bedeutet das, dass auch nicht jeder Hund gleich ein idealer Begleiter in der Beratung ist. Hunde, die beispielsweise ein sehr stürmisches oder überaus ängstliches Wesen an den Tag legen, werden als Co-Beratende weniger geeignet sein, als Hunde, die einen sehr freundlichen, ruhigen, neugierigen und verträglichen Charakter haben.

Gesetzlich festgelegte Ausbildung für Therapiehunde

Für einen klassischen Therapiehund gibt es hingegen standardisierte Ausbildungen, welche die Entwicklung und Überprüfung bestimmter Fähigkeiten der Tiere und ihrer Halter*innen zum Ziel haben. Im Fall von Therapiehunden ist das eine im Bundesbehindertengesetz geregelte, äußerst wichtige gesetzliche Voraussetzung, um die Eignung für die Therapie zu gewährleisten. Und das ist ausnehmend wichtig, da einem Therapiehund eine andere Aufgabe zukommt als beispielsweise einem Hund, der in der psychologischen Beratung mit anwesend ist. Denn bei Therapiehunde-Angeboten hat den Hauptjob quasi der Hund selbst. Der Therapiehund ist – oftmals nach einem ganz bestimmten Schema – besonders eng in den Therapieverlauf einbezogen. Der – häufig medizinische – Prozess, der von Therapiehunden begleitet wird, ist also eng mit dem Tier an sich verbunden.

Hauptaufgabe in der Hippotherapie kommt dem Pferd zu

Besonders deutlich wird der Unterschied von Therapietieren und Tieren, die in der Beratung eingesetzt werden, am Beispiel des Pferdes. Während es in der psychologischen Beratung um die Prävention von seelischen Erkrankungen geht, geht es in der Pferdetherapie beispielsweise unter anderem um die Behandlung von Erkrankungen oder Störungen, wie etwa im Zuge einer Begleitmaßnahme bei Multipler Sklerose. Bei der klassischen Hippotherapie kommt es unter anderem darauf an, dass physiotherapeutische Benefits durch das Reiten auf einem Pferd für Patienten*innen erreicht werden. Das hierfür ausgebildete Pferd hat damit sozusagen die Hauptaufgabe des therapeutischen Prozesses. Eine Hippotherapie ohne Pferd geht nicht.

Psychologische Beratung: Tiere unterstützen, sind aber nicht prozessverantwortlich

Eine psychologische Beratung ohne Tiere ist hingegen sehr wohl möglich. In der tiergestützten psychologischen Beratung sind die Tiere demnach nicht selbst prozessverantwortlich, sondern unterstützen den Berater oder die Beraterin insofern, als dass ihre positiven Wirkungen und vor allem ihre Verhaltensweisen von Berater*\innen für Klient*\innen zielführend in den Beratungsprozess eingebaut werden können. Erkennen Berater*innen allerdings solche potenziell unterstützenden Momente nicht, kann nicht von einer qualitativ tiergestützten Beratung die Rede sein. Darum braucht es fachlich hervorragend geschulte psychosozial tätige Menschen in der tiergestützten Beratung. Und diese ausgezeichnete Schulung ist für uns – neben dem zu jeder Zeit gewährleisteten Tierwohl – als Berufsverband für tiergestützte psychologische Beratung einer der wichtigsten Punkte in unseren Qualitätsstandards.

Tiergestützte Beratung immer nur so gut, wie Berater*innen sind

Denn natürlich haben Tiere zwar auch durch ihre bloße Anwesenheit einen wertvollen Effekt auf Menschen. Und auch das Streicheln von Tieren wirkt sich nachweislich positiv auf und Menschen aus. Aber als Berufsverband, der für fachlich qualitativ hochwertige tiergestützte Beratung steht, geht uns das alleine nicht weit genug. Denn unserer Ansicht nach wäre es fahrlässig, wenn sich Berater*innen auf eben jene positiven Wirkungen der Tiere verlassen würden, um damit ihre eigene Prozessverantwortung zum Teil abzugeben oder gar, um zu versuchen, durch die Anwesenheit von Tieren fachliche Ungenauigkeiten zu kompensieren.

Der Erfolg einer Therapie mit einem Therapiehund hängt also zu einem guten Teil vom ausgebildeten Hund ab. Die Benefits der Hippotherapie hängen maßgeblich mit der Art und Weise der ausgebildeten Pferde zusammen.

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