Die Bedeutung der tiergestützten Arbeit in der Trauerbegleitung

Foto Die Bedeutung der tiergestützten Arbeit in der Trauerbegleitung

Es gibt für ausgebildete Fachkräfte eine Menge guter Gründe, die dafür sprechen, Hunde und Katzen in den psychosozialen Beratungsprozess einzubauen. Ihre wertvolle Unterstützung in der Trauerbegleitung ist einer davon.

Die Verarbeitung von Verlusten ist für Menschen manchmal mit einem langen Weg verbunden, auf dem sie unterschiedliche Phasen der Trauer immer wieder neu erleben. Gerade dieses bewusste Erleben der unterschiedlichen Trauerphasen ist ein wichtiger Bestandteil, um Verluste zu verschmerzen. Doch wie der Name schon sagt: Das kann einen oft äußerst schmerzvollen Prozess bedeuten, in dem es in bestimmten Fällen wichtig ist, sich professionelle Begleitung zu holen. Denn unverarbeitete Trauer kann in späterer Folge zu psychischen Erkrankungen führen. Wir tiergestützt psychosozial Tätigen setzen in dieser so wichtigen und wertvollen Trauerbegleitung gerne unsere vierbeinigen Co-Berater ein und erleben dabei in unserer täglichen Arbeit, wie wertvoll die tierische Begleitung von Bewältigungsprozessen für Klient*innen sein kann. Diese Effekte lassen sich nicht nur anhand der persönlichen beraterischen Erfahrung festmachen, sondern zeigen sich auch in wissenschaftlichen Untersuchungen.

Tiere spenden Wohlbefinden und auch Trost

Im Zuge der Corona-Pandemie wurden erst kürzlich neue Untersuchungsergebnisse dazu im Wissenschaftsmagazin Journal of Behavioural Economics for Policy veröffentlicht: Die Forscher befragten dazu Menschen im Alter von 59 bis 83 Jahren, die ganz unterschiedliche Haustiere hielten, wie ihnen die Tiere in Krisenzeiten zur Seite stünden. Über 90 Prozent der Personen gaben an, dass sie vor allem über Berührungen in Beziehung zu ihren Haustieren stehen. Und genau diese berührungsbasierten Interaktionen mit den Haustieren würden laut den Wissenschaftern nicht nur zu mehr allgemeinem Wohlbefinden beitragen und als entspannend wahrgenommen werden, sondern vor allem auch Trost spenden. Neben der stressreduzierenden Wirkung, die das Streicheln von Hunden und Katzen auf den Menschen hat, hat damit also auch der Faktor des Trostspendens Einzug in die wissenschaftlichen Untersuchungen gefunden.

Neben Ritualen und in vielen Fällen dem Glauben an das Fortbestehen der Seele eines verstorbenen Menschen, können demnach also auch Tiere einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass wir uns bei Verlusten – sowie auch in anderen schwierigen Situationen – von ihnen getröstet fühlen. Für die zur Studie befragten Haustierbesitzer*innen war das Spenden sowie Empfangen von Berührungen und vor allem die sichtbare Freude, die Hunde und Katzen als Reaktion auf die Berührung der Besitzer*innen zeigten, ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung des Wohlbefindens. Spannend ist auch, dass einige Menschen in der Studie angaben, dass sie das Gefühl hätten, ihre Haustiere würden es wissen, wenn es ihnen nicht gut geht und wenn sie Trost brauchen. Das zeige sich beispielsweise darin, dass die Tiere dann bewusst Nähe suchen, um körperlich für die Besitzer*innen da zu sein.

Hunde zeigen Empathie, wenn Menschen weinen

Das deckt sich auch mit den Hypothesen zweier Forscherinnen vom Institut für Psychologie an der Londoner Universität, die herausgefunden haben, dass Hunde auf weinende Menschen betroffen reagieren und sich ihnen – scheinbar in der Absicht, Trost zu spenden – nähern. Besonders interessant: Dies galt nicht nur für die Halter*innen der Vierbeiner, sondern dieses Verhalten zeigten die Hunde auch gegenüber fremden Testpersonen. So schön es also ist, auch durch unabhängige Untersuchungen festzustellen, dass Tiere uns empathisch begegnen, so wichtig ist dieser Punkt im Hinblick auf das Tierwohl, das uns als Berufsverband für tiergestützte psychologische Beratung neben dem Wohl der Klient*innen das wichtigste Anliegen ist. Denn gerade weil Tiere uns aktiv unterstützen wollen und uns dabei so viel Trost schenken können, ist es wichtig, sie im professionellen Kontext mit Maß und Ziel einzusetzen – vor allem in der oft hochemotionalen Trauerbegleitung. Für tiergestützt arbeitende Berater*innen, Pädagog*innen oder Therapeut*innen gilt es hier also, ein besonderes Augenmerk auf ausreichende Erholungsphasen der Tiere zu legen, in denen sie mit viel Bewegung und Spaß am Spiel auch ganz einfach wieder Tier sein dürfen.

Tiere kein Ersatz für Verarbeitung

Das gilt freilich nicht nur aus veterinärmedizinischen Aspekten, sondern vor allem auch aus psychodynamisch fachlichen Aspekten, die Sie als tiergestützt Arbeitende im Blick behalten müssen. Denn es geht keineswegs darum, dass die vierbeinigen Co-Berater etwas ersetzen sollen. Sie können aber wertvolle Begleiter dabei sein, dass Klient*innen sich erlauben, ihre Gefühle eher zuzulassen, indem sie Halt und Sicherheit durch die Anwesenheit der Vierbeiner und Trost in der Berührung der selben finden. Tiere begleiten Trauerprozesse, Abschiede und den Umgang mit Verlusten im Allgemeinen auf eine besonders charmante Art und Weise, die es vielen Betroffenen einfacher macht, sich im professionellen Beratungskontext zu öffnen.

Umso eher liegt es an Ihnen als Berater*in, Pädagog*in oder Therapeut*in, darauf zu achten, dass den Tieren im Beratungsprozess weder „ein Loch ins Fell gestreichelt“ wird, noch dass Hunde, Katzen und Co. als Ersatz für etwas herangezogen werden – weder von Ihnen, noch von Ihren Klient*innen. Das meint, dass die tierische Anwesenheit im Trauerbegleitungsprozess weder Ihre fachliche Kompetenz im Hinblick auf hochwertige psychologische Arbeit ersetzen kann und dass bei Klient*innen gleichsam nicht der Eindruck entstehen soll, die Tiere würden ihnen etwas abnehmen oder gar irgendjemanden ersetzen.

Tierische Trauerbegleitung bei Verlust des Haustieres

Das gilt auch beim Umgang von Klient*innen mit dem Verlust des eigenen geliebten Haustieres. Wird dieser Verlust durch tiergestützte Trauerarbeit begleitet, sollten Sie als Expert*in zweierlei beachten. Erstens ist es für Menschen, die ihre Haustiere verlieren, oft besonders schwierig, mit der Intensität ihrer Gefühle umzugehen und diese zuzulassen. Zu groß ist oft die Sorge, belächelt zu werden, da es sich ja „nur um ein Tier“ gehandelt hat. Besonders hier ist Ihre einfühlsame und fachliche Stärke als Expert*in gefragt. Diese Expertise meint unter anderem, dass sie auch die möglichen unausgesprochenen inneren Fragen und Vorwürfe der Klient*innen – beispielsweise weil der Tod des Tieres durch einen Unfall eingetreten ist oder aktiv durch Einschläfern mitbestimmt werden musste – im Blick behalten sollten. Hier können Ihre tierischen Co-Berater äußerst charmante Hilfe für die Klient*innen bieten, sich sowohl mit den zum Teil kreisenden Fragen auseinanderzusetzen als auch letztlich das gesamte Maß an empfundener Trauer zuzulassen.

Zweitens sollten Sie als tiergestützt Tätige im Blick behalten, dass ein Tier weder einen Menschen noch ein anderes Tier ersetzen kann. Das gilt sowohl für Ihre tierischen Co-Berater als auch für eventuell sofort neu angeschaffte Haustiere der Klient*innen, die gerade einen tierischen Verlust zu betrauern haben. Sich blitzschnell nach dem Tod eines Haustieres die gleiche Rasse ins Haus zu holen und dem Tier vielleicht sogar noch den gleichen Namen zu geben wie dem verstorbenen, kann ein sehr wichtiger Hinweis darauf sein, dass Klient*innen noch nicht damit begonnen haben, sich mit dem eigentlichen Verlust auseinanderzusetzen. Ermutigen Sie in solchen Fällen die von Ihnen betreuten Menschen dazu, sich selbst die Zeit zu geben, die es braucht, um Abschied zu nehmen sowie den Verlust wirklich wahrhaben und damit auch verarbeiten zu können.

Quellen:
https://www.treehugger.com/pets-offer-physical-comfort-times-stress-5090272
https://www.universityworldnews.com/post.php?story=20120620193057306

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